Einblicke

Eine neue Verwendung für den „Gestreiften Kardinal“

Obwohl die Uckermark traditionell nie eine Apfelwein-Region war, ist sie doch erstaunlich reich an alten Obstbäumen, die nach dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft ungenutzt stehen blieben. Die Sorten stammen aus Zeiten, in denen aromatische Qualitäten noch deutlich höher geschätzt wurden, als ihre äußere Erscheinung.

Entlang von Feldwegen und Nebenstraßen finden wir noch so manch eine historische Rarität, die sich nie als Tafelobst eignete, aber ganz vorzüglich für unterschiedliche Formen der Verarbeitung genutzt werden kann – bittere Zufallssämlinge von Äpfeln zum Beispiel, oder kleine halbwilde Mostbirnen. Diese häufig etwas abgelegenen Bäume suchen wir und arbeiten gezielt daran, sie zu pflegen und zu schützen. Damit unterstützen wir den Erhalt der „Alten Obstsorten“ und die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft.

Die menschlichen Lebens- und Essgewohnheiten haben sich stark verändert und immer weniger Menschen bewirtschaften noch eigene Obstgärten, so das viele alte, aromatisch herausragende Sorten nach und nach verschwinden. Nur wenn wir neue, heutige Nutzungsmöglichkeiten entwickeln, können wir einen langfristigen Erhalt der Sortenvielfalt ermöglichen. 

Durch die Verwendung der traditionellen Obstsorten in unserer Produktion bieten wir einen Anreiz, alte Baumbestände zu pflegen. Durch neue Anpflanzungen alter Sorten können wir helfen, die regionale Vielfalt für kommende Generationen zu bewahren. Dafür Kooperieren wir mit dem Naturpark Uckermärkische Seen, der bereits 1995 ein Projekt für den Erhalt der regionalen Apfelsorten begann und jährlich junge Bäume historischer Apfelsorten in der Region an Partner abgibt.

Alte Steine neu vermauert

Unsere Kelterei befindet sich in einer alten, großen Scheune des ehemaligen Gutshofes Kraatz. Heute verarbeiten wir darin das Streuobst der Umgebung zu Wein, zu Saft und auch zu Essig und betreiben im ehemaligen Stall unseren Ausschank und Hofladen – die Weinschänke.

In Kraatz kann am Beispiel von Ferienwohnungen, Apfelwein und unserem Restaurant erlebt werden, wie eine neue Nutzung von alten Gebäuden und alten Obstbäumen zu nachhaltigen, neuen Entwicklungsmöglichkeiten führt. Bei der Sanierung der alten Gebäude haben wir möglichst traditionelle und lokale Materialien wie Hanf, Lehmputze und Kreidefarben sowie historische Baustoffe (alte Ziegelsteine, Türen, Fliesen…) verwendet. Die Zutaten für die Küche des Restaurants stammen möglichst aus biologischer Landwirtschaft der Umgebung und variieren nach Saison. Geheizt wird mit der Abwärme der örtlichen Biogasanlage oder mit Holz. Unseren Strom produzieren wir mit einer PV-Anlage und das Abwasser wird auf dem eigenen Grundstück in einem Pflanzenklärbeet gereinigt.

Heimisch geworden mit Äpfeln, Birnen und Quitten

Wir sind Quereinsteiger, nicht nur was den Wein angeht, sondern auch in der Uckermark.

Hierher gekommen sind wir um die Jahrtausendwende – wie viele „Berliner“, auf der Suche nach einem Plätzchen auf dem Lande fürs Wochenende. Dass daraus einmal unser Hauptberuf werden würde, hatten wir nicht geplant.

Jeden Herbst lagen die Früchte unter den Bäumen in der Landschaft und niemand wollte sie haben. Irgendwann gab es in der Nachbarschaft eine Mostpresse zu kaufen und vom Most war es nicht mehr weit zum Wein. – Das macht der Most fast von ganz allein – fast.

Mit unserem ersten Jahrgang 2011 hatten wir „Anfängerglück“. Wir hatten das Richtige aufgesammelt und stellten fest, das ein erster Jahrgang durchaus gelingen kann. Vier unserer ersten Versuche haben wir bis heute im Sortiment: Weine aus Rheinischen Bohnäpfeln, aus Boskoop und aus Mostbirnen, sowie eine gute Mischung – einen Schoppen. Und jedes Jahr probieren wir uns mindestens an einem weiteren Versuch.

Irgendwann mussten wir uns entscheiden: bleiben wir in unseren Kreativberufen in Berlin oder gehen wir der neuen kreativen Berufung in der Uckermark nach. Wir haben uns für die Uckermark entschieden, weil wir hier für uns mehr Möglichkeiten sahen.

„Aber hier ist doch nichts“, sagten viele, die zum ersten Mal hier waren, und auch viele, die schon seit Jahrzehnten hier leben. Aber gerade weil es hier bisher nur wenig Tourismus und keine Apfelweintradition gab, haben wir alle Freiheiten, unsere eigenen Produkte zu schaffen – mit dem, was es in der Region gibt, aus der Region heraus. Und das fasziniert uns nachhaltig.

Im Januar 2023 starb Edda Müller an einer Krebserkrankung. Ihr Mann Florian Profitlich führt den Betrieb auch in ihrem Sinne weiter.

Als Partnerbetrieb des Naturparks Uckermärkische Seen sind wir für unsere nachhaltige Wirtschaftsweise zertifiziert. Unsere Streuobstwiesen bewirtschaften wir „bio-zertifiziert“ ohne Spritzmittel und wir engagieren uns als Förderer bei Slow Food Deutschland.

Eine neue Verwendung für den „Gestreiften Kardinal“

Obwohl die Uckermark traditionell nie eine Apfelwein-Region war, ist sie doch erstaunlich reich an alten Obstbäumen, die nach dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft ungenutzt stehen blieben. Die Sorten stammen aus Zeiten, in denen aromatische Qualitäten noch deutlich höher geschätzt wurden, als ihre äußere Erscheinung. Entlang von Feldwegen und Nebenstraßen finden wir noch so manch eine historische Rarität, die sich nie als Tafelobst eignete, aber ganz vorzüglich für unterschiedliche Formen der Verarbeitung genutzt werden kann – bittere Zufallssämlinge zum Beispiel, oder kleine Mostbirnsämlinge. Diese abgelegenen Bäume suchen wir und arbeiten gezielt daran, sie zu pflegen und zu schützen und leisten damit unseren Beitrag sowohl zum Erhalt des Kulturgutes „Alte Obstsorten“, als auch zur ökologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft.

Die menschlichen Lebens- und Essgewohnheiten haben sich stark verändert und immer weniger Menschen bewirtschaften noch eigene Obstgärten, so das viele alte, aromatisch herausragende Sorten nach und nach verschwinden. Nur wenn wir neue, heutige Nutzungsmöglichkeiten entwickeln, können wir einen langfristigen Erhalt der Sortenvielfalt ermöglichen.

Durch die Verwendung der traditionellen Obstsorten in unserer Produktion bieten wir einen Anreiz, alte Baumbestände zu pflegen. Durch neue Anpflanzungen alter Sorten können wir helfen, die regionale Vielfalt für kommende Generationen zu bewahren. Dafür Kooperieren wir mit dem Naturpark Uckermärkische Seen, der bereits 1995 ein Projekt für den Erhalt der regionalen Apfelsorten begann und jährlich junge Bäume historischer Apfelsorten in der Region an Partner abgibt.

Alte Steine neu vermauert

Unsere Kelterei befindet sich in einer alten, großen Scheune des ehemaligen Gutshofes Kraatz. Heute verarbeiten wir darin das Streuobst der Umgebung zu Wein, zu Saft und auch zu Essig und betreiben im ehemaligen Stall unseren Ausschank und Hofladen – die Weinschänke.

In Kraatz kann am Beispiel von Ferienwohnungen, Apfelwein und unserem Restaurant erlebt werden, wie eine neue Nutzung von alten Gebäuden und alten Obstbäumen zu nachhaltigen, neuen Entwicklungsmöglichkeiten führt. Bei der Sanierung der alten Gebäude haben wir möglichst traditionelle und lokale Materialien wie Hanf, Lehmputze und Kreidefarben sowie historische Baustoffe (alte Ziegelsteine, Türen, Fliesen…) verwendet. Die Zutaten für die Küche des Restaurants stammen möglichst aus biologischer Landwirtschaft der Umgebung und variieren nach Saison. Geheizt wird mit der Abwärme der örtlichen Biogasanlage oder mit Holz. Unseren Strom produzieren wir mit einer PV-Anlage und das Abwasser wird auf dem eigenen Grundstück in einem Pflanzenklärbeet gereinigt.

Heimisch geworden mit Äpfeln, Birnen und Quitten

Wir sind Quereinsteiger, nicht nur was den Wein angeht, sondern auch in der Uckermark.

Hierher gekommen sind wir um die Jahrtausendwende – wie viele „Berliner“, auf der Suche nach einem Plätzchen auf dem Lande fürs Wochenende. Dass daraus einmal unser Hauptberuf werden würde, hatten wir nicht geplant.

Jeden Herbst lagen die Früchte unter den Bäumen in der Landschaft und niemand wollte sie haben. Irgendwann gab es in der Nachbarschaft eine Mostpresse zu kaufen und vom Most war es nicht mehr weit zum Wein. Das macht der Most fast von ganz allein – fast.

Mit unserem ersten Jahrgang 2011 hatten wir „Anfängerglück“. Wir hatten das Richtige aufgesammelt und stellten fest, das ein erster Jahrgang durchaus gelingen kann. Vier unserer ersten Versuche haben wir bis heute im Sortiment. Weine aus Rheinischen Bohnäpfeln, aus Boskoop und aus Mostbirnen, sowie eine gute Mischung – einen Schoppen. Und jedes Jahr probieren wir uns mindestens an einem weiteren Versuch.

Irgendwann mussten wir uns entscheiden: bleiben wir in unseren Kreativberufen in Berlin oder gehen wir der neuen kreativen Berufung in der Uckermark nach. Wir haben uns für die Uckermark entschieden, weil wir hier für uns mehr Möglichkeiten sahen.

„Aber hier ist doch nichts“, sagten viele, die zum ersten Mal hier waren, und auch viele, die schon seit Jahrzehnten hier leben. Aber gerade weil es hier bisher nur wenig Tourismus und keine Apfelweintradition gab, haben wir alle Freiheiten, unsere eigenen Produkte zu schaffen – mit dem, was es in der Region gibt, aus der Region heraus. Und das fasziniert uns nachhaltig.

Im Januar 2023 starb Edda Müller an einer Krebserkrankung. Ihr Mann Florian Profitlich führt den Betrieb auch in ihrem Sinne weiter.

Als Partnerbetrieb des Naturparks Uckermärkische Seen sind wir für unsere nachhaltige Wirtschaftsweise zertifiziert. Unsere Streuobstwiesen bewirtschaften wir ohne Spritzmittel und wir engagieren uns als Förderer bei Slow Food Deutschland.